Armatur & Draht

Die Armatur ist wie ein Skelett und stellt eine solide Basis für den Bau von Skulpturen und Figuren dar. Bevor es also an den Bau einer Figur geht, sollten wir eine stabile Armatur bauen. Grundsätzlich geht es zwar auch ohne Armatur, aber sie vereinfacht vieles. Zum einen kannst Du so im Vorfeld die genaue Haltung deiner Figur bestimmen und zum anderen hilft die Armatur, ähnlich wie ein Skelett, die Modelliermasse zu fixieren und ihr Halt zu geben. Je größer und schwerer Deine Skulptur am Ende wird, desto wichtiger ist eine solide Armatur. Im Verlaufe des Sculpting-Prozesses, wenn immer mehr Masse drauf kommt, wirst du die Vorzüge einer Armatur zu schätzen wissen.

Die optimale Armatur besteht aus zwei grundlegenden Dingen: einer stabilen Basis und Draht. Geeignet sind z.B. Holzblöcke oder Platten aus Kunststoff, Holz oder Stein. Ich persönlich kaufe mir am liebsten Schalenrohlinge bzw. Drechselholz. Hierbei handelt es sich einfach um eine Holzscheibe, die aus einem Baumstamm geschnitten und anschließend geschliffen und auf Länge geschnitten wurde. Diese kann man bequem auf eBay bestellen oder sich im Baumarkt besorgen. Für das Drahtgestellt eignen sich vor allem Aluminiumdrähte mit einer Drahtstärke von ca. 3mm. Diese sind stabil genug, um Modelliermasse zu tragen, lassen sich aber auch im Nachhinein noch verbiegen und verändern. Eisendrähte sind um wein wesentliches stabiler, aber im Nachhinein auch nicht mehr besonders gut zu ändern. Häufig kombiniert man den dicken Draht noch mit einem wesentlich dünneren Draht und umwickelt diesen damit. Der Grund hierfür ist, da die Modelliermasse so einen viel besseren Halt am Draht hat. Am besten ist es, wenn man einige verschiedene Drahtstärken vorrätig hat und darauf zugreifen kann. Ich empfehle immer einen dicken von 3mm und einen dünneren zwischen 0,5 mm und 1 mm zu verwenden. Zudem gibt es noch verschieden Arten an Metall – Von Eisen, Aluminium und Kupfer, bis hin zu buntem Draht in allen möglichen Farben. Aluminiumdraht z.B. ist sehr leicht, was sich auch auf das Gewicht der Armatur auswirkt. Der Nachteil ist jedoch, dass der Draht bei größeren Mengen Clay gerne mal nachgibt und nicht standhaft bleibt. 

Die korrekten Proportionen der Armatur

Damit die Armatur die richtigen Maßen und Proportionen hat lohnt es sich, im Vorfeld den Umriss eines menschlichen Körpers in den benötigten Maßen herunterzuladen und den Draht quasi einzuzeichnen. Das hilft später dabei, die richtige Länge zu ermitteln und den Draht in die gewünschte Position zu biegen. Ich selbst arbeite gerne im Größenverhältnis 1:6. Hierzu gibt es unzählige Vorlagen zum downloaden im Netz, einfach mal googeln. Im Normalfall reicht es auch aus, den Umriss eines Menschen aufzuzeichnen und dann das Skelett und die wichtigsten Gelenke selbst einzuzeichnen.

Um Dir die Planung & Skizze zu erleichtern, findest Du hier einen Rechner für menschliche Proportionen. Dieser eignet sich auch ziemlich gut, um den Draht auf die gewünschte Länge zu schneiden und eine Armatur daraus zu bauen.

Es reicht eigentlich aus, wenn man sich eine entsprechende Vorlage einmal ausdruckt und an seinen Arbeitsplatz legt. Die Vorlage lässt sich beliebig oft benutzen. Das hier wäre z.B. eine geeignete Vorlage: Ideal Proportion Male

Die perfekte Vorlage für den Bau einer Armatur

Armatur bauen mit Hilfe einer Phicen M35 Figur

Beim Modellieren von Menschen kommt es darauf an, die richtigen Proportionen zu treffen und die Haltung und Bewegung möglichst natürlich einzufangen und darzustellen. Wer hier auf Zeichnungen als Vorlage zurückgreift, stößt gerade am Anfang öfter mal auf seine Grenzen. Ein zweidimensionales Bild als Vorlage für eine dreidimensionale Figur zu verwenden ist mitunter schwierig, da man die Figur nur aus bestimmten Positionen und Blickwinkeln betrachten kann. Deshalb ist es wichtig, ein grundlegendes Verständnis für menschliche Proportionen zu erlangen. Mir persönlich hat hier eine Phicen M35 Figur sehr geholfen. Zum einen konnte ich mich mit den menschlichen Proportionen besser auseinandersetzen, zum anderen habe ich ein Verständnis für die Muskulatur und die möglichen Bewegungen entwickelt.

Noch heute benutze ich die Phicen M35 bei nahezu jeder Armatur, welche ich erstelle. Da die Phicen M35 auch den Maßstab 1:6 hat, stellt sie meiner Meinung nach die ideale Vorlage für Anfänger dar.

Wenn ich also eine Armatur baue, benutze ich normalerweise die folgenden Dinge:

• 3 mm und 0,5 mm Aluminiumdraht
• eine Holzplatte oder Holzscheibe mit Löchern
• mein Phicen M35 als Vorlage für Haltung und Skalierung
• Aves Apoxie Sculpt zur Stärkung des Ankers und als solide Basis zum Aufbauen

Als erstes knippse ich ein langes Stück 3mm Alumiumdraht von einer Drahtrolle ab. Hierfür nehme ich ungefähr die 2,5 bis 3-fache Länge, die meine Figur später einmal haben soll. Da ich als Vorlage auf die Phicen M35 zurückgreife und diese ca. 30 cm groß ist, wären das bei mir ca. 60 cm. Nimm lieber etwas mehr Draht am Anfang, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Überflüssigen Draht kann man im Nachhinein immernoch abknippsen.

Im nächsten Schritt schneide ich den Draht genau einmal in der Mitte durch, so dass ich zwei Drähte gleicher Länge habe. Ich lege diese nun nebeneinander und umwickle sie etwas höher als mittig (ca. dort, wo der Torso der Figur sein wird) mit einem 0,5 mm dicken Aluminiumdraht.

Jetzt platziere ich die Drahtverbindung auf meiner Phicen M35 Figur und biege den Draht an den markanten Stellen wie den Hüften, Schultern und Ellbogen in die richtige Position. Damit es mir später leichter fällt, markiere ich zudem die Ellebogen, Handgelenke und Knie mit einem schwarzen Stift auf dem Draht.

Unterhalb der Füße lasse ich etwas mehr Draht stehen, weil die Armatur noch in eine entsprechende Holzplatte eingesetzt ist. Je nach Dicke der Holzscheibe und wie tief man die Löcher in die Plattform gebohrt hat. Das können schonmal bis zu mehrere Zentimeter sein. Habe ich die richtige Länge gefunden, knippse ich den Draht ab.

Sobald der Draht entsprechend im Holzsockel platziert ist und Halt findet kann man anfangen, ihn in die gewünschte Position zu biegen. Bei diesem Schritt sollte man sich etwas Zeit nehmen und die Armatur immer wieder aus verschiedenen Perspektiven und Entfernungen betrachten. Es ist mir schon öfters passiert, dass die Armatur von vorne super ausschaut, aber von der Seite betrachtet eine absolut unnatürliche Haltung einnimmt.

Erst wenn man die gewünschte Pose eingefangen hat sollte man damit beginnen, die Armatur zu stabiliseren und aufzufüllen. Als erste nehme ich hierzu einen 0,5 mm dicken Aluminiumdraht und umwickel erneut die gesamte Armatur. Zum einen stabilisiert der Draht die Armatur zusätzlich und zum anderen hilft der dünnere Draht dabei, dass Aluminiumfolie, Sculpey und Apoxie besser halten. Nachdem die Armatur erneut mit dem dünneren Draht umwickelt wurde, kann man entweder direkt damit beginnen, die Modelliermasse aufzutragen oder (und das finde ich persönlich besser) man nutzt Apoxie oder Aluminiumfolie, um die Armatur nochmals zu stabilisieren und eine gute Basis zu schaffen.

Den Hals und Kopf erstelle ich separat. Hierzu nehme ich ein ca. 2-3 cm lange Stück 3 mm Draht und forme aus Apoxie Sculpt eine kleine Kugel, die ich auf das eine Ende des Drahtes stecke und aushärten lasse. Auf diese Kugel kann ich später dann das Sculpey oder BeeSPuttY auftragen und den Kopf und das Gesicht formen. Den Draht befestige ich dann entsprechend an der Armatur.

3mm Aluminiumdraht

2mm Aluminiumdraht

1mm Aluminiumdraht

Kombipaket Aluminiumdraht

Zusätzlicher Halt und Stabilität für die Armatur mit Apoxie Sculpt

Manche Armaturen benötigen zusätzliche Halt, damit sie während der Bearbeitung nicht umkippen oder verbiegen. Während die Armatur einen sicheren Halt hat, hast Du außerdem die Hände frei, musst sie nicht die ganze Zeit festhalten und kannst wesentlich einfacher und effektiver arbeiten.

Tipp: Wenn ich die Armatur gebaut, den Draht in die richtige Position gebogen und anschließend entsprechend auf der Holzschreibe angebracht habe, benutze ich gerne zusätzlich eine kleine Menge Aves Apoxie Sculpt. Sobald das Apoxie erstmal getrocknet und ausgehärtet ist, haben wir eine sehr stabile Armatur.

Das hat den Vorteil, dass sich die Pose der Figur im Nachhinein nicht verändert und der Draht zusätzlich stabilisiert wird. Hierzu reicht eine kleine Menge, die um den gesamten Drahtkörper angebracht wird. Die Arme spare ich mir meist aus, damit ich diese später nochmals biegen und verändern kann.

Minimierung des Materialverbrauchs durch Benutzung von Füllern

Die Benutzung von “Füllern” hat beim Sculpting große Vorteile. Zum einen wirst Du weniger Clay benötigen, was Kosten spart und zum anderen wird das Gewicht Deiner Skulptur um ein vielfaches gesenkt. Dadurch wird sie weniger bruchanfällig und leichter zu bewegen. Stell Dir vor, dass das Drahtgestellt das Skelett ist und der Füllstoff die Muskulatur. Der Füllstoff gibt dem ganzen noch einmal Halt und auch Form.

Im Allgemeinen bestehen Füller aus billigen, leichten und reichlich vorhandenen Material wie z.B. Alufolie. Es ist empfehlenswert, die Füller im Anschluss noch einmal mit Abdeck- oder Malerband zu überkleben. Wir verwenden Alufolie z.B. gerne, um damit den Innenteil des Oberkörper zu füllen.

Beispiel einer Armatur – Vorher/Nacher

Im rechten Bild seht Ihr eine beispielhafte Armatur. Da die Figur nur knapp 20 cm groß werden soll, war es nicht notwendig, den Draht mit der Holzplatte zu verbinden. Das Super Sculpey gibt der Armatur genügend halt, sodass sie ohne weitere Hilfe stehen kann. Die leicht überzeichneten und klobigen Schuhe, verstärken den Halt nochmals. Hätte ich die Schuhe kleiner gemacht, wäre es evtl. notwendig geworden, die Figur anderweitig zu sichern.

Anhand des Beispiels kann man sehr gut erkennen, wie die Armatur im Laufe des Prozesses in der Modelliermasse verschwindet und eine Art Skelett bildet. Außerdem sieht man, wie der dicke Draht (3mm Eisen) nochmals von einem dünneren Draht (1mm Eisen) umwickelt wurde, damit das Super Sculpey zusätzlichen Halt bekommt. Den Draht für den Kopf erstelle ich entweder gegen Ende, wenn ich diesen auch modelliere oder lasse ihne komplett weg. Bei kleineren Figuren sind die einzelnen Körperteile leichter und werden allein durch das anbringen an die Figur gehalten. Hier muss man abwägen, ob ein Draht notwendig ist.

Der Unterkörper auf dem Bild war zu dem Zeitpunkt der Aufnahme bereits gebacken. Ich arbeite sehr gerne von unten nach oben und beginne mit dem Unterkörper. Sobald dieser dann fertig ist, backe ich diesen. Der große Vorteil ist, dass bei den folgenden Arbeiten nichts mehr zerstört werden kann und ich mich vollkommen auf den Oberkörper konzentrieren kann. Selbst gebackene Teile können im Anschluss immernoch bearbeitet werden bzw. ist es möglich, weitere Modelliermasse draufzupacken oder diese mit entsprechendem Werkzeug abzufräsen etc.