Armatur & Draht

Bevor es an den Bau der Skulptur geht, solltest Du dir eine stabile Armatur bauen. Es geht zwar auch ohne Armatur, aber sie vereinfacht vieles. Zum einen kannst Du so im Vorfeld die genaue Haltung deiner Figur bestimmen und zum anderen hilft die Armatur, ähnlich wie ein Skelett, die Modelliermasse zu fixieren und ihr Halt zu geben. Je größer und schwerer Deine Skulptur am Ende wird, desto wichtiger ist eine solide Armatur. Im Verlaufe des Sculpting-Prozesses, wenn immer mehr Masse drauf kommt, wirst du die Vorzüge einer Armatur zu schätzen wissen.

Die optimale Armatur besteht aus einer stabilen Basis (geeignet sind z.B. Schalenrohlinge, Holzblöcke oder Platten aus Kunststoff, Holz oder Stein) und einem Drahtgestell. Für das Drahtgestellt eignen sich Drahtstärken zwischen 1-3mm. Häufig werden diese kombiniert (hierzu später mehr), sodass Du am besten einige verschiedene Drahtstärken vorrätig hast und darauf zugreifen kannst. Zudem gibt es noch verschieden Arten an Metall – Von Eisen, Aluminium und Kupfer, bis hin zu buntem Draht in allen möglichen Farben. Aluminiumdraht z.B. ist sehr leicht, was sich auch auf das Gewicht der Armatur auswirkt. Der Nachteil ist jedoch, dass der Draht bei größeren Mengen Clay gerne mal nachgibt und nicht standhaft bleibt.

Von der Idee zur Planung und Skizze

Wenn Du das erste mal eine Armatur baust, lohnt es sich, diese im Vorfeld zu skizzieren oder im Falle einer Vorlage, diese auszudrucken. Es hilft dabei, ein Gefühl für die Figur zu bekommen, sowie die Proportionen und Größe besser abzuschätzen. Es muss zwar keine detailgenaue Zeichnung sein, aber es sollte zu erkennen sein, was Du im Anschluss modellieren möchtest. Im Idealfall kannst Du die Figur bereits aus allen Blickwinkeln begutachten und visualisieren, damit du verstehst, wie verschiedene Bereiche aufeinander treffen, in welcher Höhe sich die einzelnen Körperteile befinden müssen, wie groß sie im Verhältnis sind usw.

Um Dir die Planung & Skizze zu erleichtern, findest Du hier einen Rechner für menschliche Proportionen. Dieser eignet sich auch ziemlich gut, um den Draht auf die gewünschte Länge zu schneiden und eine Armatur daraus zu bauen.

Los geht’s – wir bauen die Armatur

Identifiziere anhand Deiner Skizze die wichtigsten “Teile” und markante Merkmale der Skulptur. Schaue Dir hierzu Deine Zeichnung an und prüfe, wo sich z.B. die wichtigsten Stellen wie Knie, Hüfte, Ellenbogen, Hals und Schultern befinden. Im Grunde ist die Armatur nichts anderes als ein Skelett, dass den Körper bzw. in diesem Fall die Modelliermasse stützt und trägt.

Der einfachste Weg, eine Armatur zu bauen ist es, zwei gleichlange Drähte (wähle am Anfang 3mm Durchmesser zwecks Stabilität) zuzuschneiden und diese erstmal in der Mitte mit einem dünneren Draht und einigen Windungen miteinander zu verbinden. Nachdem die beiden Stücke zusammen sind, lässt sich der Draht auf Höhe der Hüfte und der Schultergelenke perfekt drehen und knicken, um so Arme und Beine zu erstellen. Der Hals und Kopf kann aus einem separaten und kurzem Stück Draht erstellt und im Nachhinein noch angebracht werden.

Da der Draht alleine keine gute Möglichkeit zum Haften bietet und die Modelliermasse beim Bearbeiten wieder abfallen oder sich bewegen könnte , wickeln wir zusätzlich noch einmal einen dünneren Draht um die gesamte Armatur. Dies gibt dem ganzen noch mal Stabilität und sorgt durch die ungleichmäßig Oberfläche dafür, dass die Masse besser haftet.

Benutze Füller

Die Benutzung von “Füllern” hat beim Sculpting große Vorteile. Zum einen wirst Du weniger Clay benötigen, was Kosten spart und zum anderen wird das Gewicht Deiner Skulptur um ein vielfaches gesenkt. Dadurch wird sie weniger bruchanfällig und leichter zu bewegen. Stell Dir vor, dass das Drahtgestellt das Skelett ist und der Füllstoff die Muskulatur. Der Füllstoff gibt dem ganzen noch einmal Halt und auch Form.

Im Allgemeinen bestehen Füller aus billigen, leichten und reichlich vorhandenen Material wie z.B. Alufolie. Es ist empfehlenswert, die Füller im Anschluss noch einmal mit Abdeck- oder Malerband zu überkleben. Wir verwenden Alufolie z.B. gerne, um damit den Innenteil des Oberkörper zu füllen.

Zusätzlicher Halt und Stabilität für die Armatur

Manche Armaturen benötigen zusätzliche Halt, damit sie während der Bearbeitung nicht umkippen oder verbiegen. Während die Armatur einen sicheren Halt hat, hast Du außerdem die Hände frei, musst sie nicht die ganze Zeit festhalten und kannst wesentlich einfacher und effektiver arbeiten.

Die einfachste Möglichkeit die Armatur zu befestigen ist es, sie direkt mit dem Sockel, auf dem Sie steht, zu verbinden. Im Idealfall hat man einen Sockel aus Holz gewählt, in welchen man jetzt mit einer Bohrmaschine 2 kleine Löcher bohrt, in die der Draht bzw. die späteren Beine gesteckt werden. Es macht Sinn, die Proportionen der Figur im Vorfeld zu ermitteln und die Differenz, welche sich aus den beiden Bohrlöchern ergibt, mit einzurechnen.

Tipp: Was wir während unser Arbeiten immer wieder gerne machen ist es, die Armatur nach der Fertigstellung noch einmal mit einer dünnen Schicht Apoxie zu überziehen. Sobald das Apoxie erstmal getrocknet und ausgehärtet ist, haben wir eine sehr stabile Armatur.

Beispiel einer Armatur – Vorher/Nacher

Im rechten Bild seht Ihr eine beispielhafte Armatur. Da die Figur nur knapp 20 cm groß werden soll, war es nicht notwendig, den Draht mit der Holzplatte zu verbinden. Das Super Sculpey gibt der Armatur genügend halt, sodass sie ohne weitere Hilfe stehen kann. Die leicht überzeichneten und klobigen Schuhe, verstärken den Halt nochmals. Hätte ich die Schuhe kleiner gemacht, wäre es evtl. notwendig geworden, die Figur anderweitig zu sichern.

Anhand des Beispiels kann man sehr gut erkennen, wie die Armatur im Laufe des Prozesses in der Modelliermasse verschwindet und eine Art Skelett bildet. Außerdem sieht man, wie der dicke Draht (3mm Eisen) nochmals von einem dünneren Draht (1mm Eisen) umwickelt wurde, damit das Super Sculpey zusätzlichen Halt bekommt. Den Draht für den Kopf erstelle ich entweder gegen Ende, wenn ich diesen auch modelliere oder lasse ihne komplett weg. Bei kleineren Figuren sind die einzelnen Körperteile leichter und werden allein durch das anbringen an die Figur gehalten. Hier muss man abwägen, ob ein Draht notwendig ist.

Der Unterkörper auf dem Bild war zu dem Zeitpunkt der Aufnahme bereits gebacken. Ich arbeite sehr gerne von unten nach oben und beginne mit dem Unterkörper. Sobald dieser dann fertig ist, backe ich diesen. Der große Vorteil ist, dass bei den folgenden Arbeiten nichts mehr zerstört werden kann und ich mich vollkommen auf den Oberkörper konzentrieren kann. Selbst gebackene Teile können im Anschluss immernoch bearbeitet werden bzw. ist es möglich, weitere Modelliermasse draufzupacken oder diese mit entsprechendem Werkzeug abzufräsen etc.