Pinsel

Beim Bemalen spielt nicht nur die richtige Farbe eine Rolle, sondern auch der verwendete Pinsel. Vor allem Anfänger stellen sich immer wieder die Frage, welcher denn nun „der beste Pinsel“ ist. Auch wenn diese Frage logisch klingt, lässt sie sich nur sehr schwierig beantworten.

Änlich der Frage: „Welche Pizza ist die leckerste?“, kann die Antwort sehr unterschiedlich ausfallen. Im Falle der Pizza wäre es eine reine Geschmackssache und würde je nach Person unterschiedlich ausfallen. Im Bereich der Pinsel wäre eine zielführende Gegenfrage: „Wozu benötigst du den Pinsel?“ „Möchtest Du Details oder große Flächen malen?“ „Wie hoch ist Dein Budget?“. 

Mit unserem kleinen Leitfaden können wir Dir zwar nicht sagen, welcher “der beste Pinsel” ist, aber wir können Dich darüber aufklären, welche Arten von Pinseln es gibt und für welche Arbeiten diese geeignet sind. Bei Malen sind Pinsel mindestens genauso wichtig wie die Wahl der Farbe selbst und sollten richtig gewählt werden. Mit dem falschen Pinsel können selbst die einfachsten Malarbeiten unmöglich werden bzw. am Ende grausam aussehen.

Neben der korrekten Wahl des Pinsels erhältst du bei uns Tipps & Tricks zum richtgen Umgang und Pflege.

Der Aufbau eines Pinsels

Jeder hat schon einmal einen Pinsel in der Hand gehalten, spätestens im Kunstunterricht in der Schule. Der Aufbau ist realtiv simpel und kein Hexenwerk:

  • Besatz – Der Besatz besteht aus Borsten oder Haaren. Borsten sind nichts anderes als Haare, jedoch um ein vielfaches steifer/härter. Der Besatz nimmt die Farbe auf und ist der Teil, mit dem gemalt wird. Zum malen eignen sich eher Haare, für spezielle Techniken wie dem Dry Brushing sind Borsten zu empfehlen.
  • Beschlag/Zwinge – Die silberne Hülse/Spange, welche den Besatz zusammenhält.
  • Crimp – Der Bereich, in dem die Hülse am Griff befestigt ist.
  • Griff/Stiel – Ziemlich selbsterklärend 🙂 Der Stiel liegt wie ein Stift in der Hand und wird auch so gehalten. Herkömmliche Pinsel bestehen aus lackiertem Holz und haben eine ründliche Form. Es gibt jedoch auch Stiele aus anderen Materialien und mit anderen Formen.

Arten von Pinseln

Es gibt eine ganze Reihe von Pinseltypen, aber in diesem Teil gehen wir nur auf diejenigen ein, die i.d.R. für die Skulptur- und Miniaturmalerei verwendet werden.

Rundpinsel mit (langer) Spitze sind wahrscheinlich die Pinsel, die am häufigsten benutzt werden. Diese Pinsel haben in der Regel einen breiteren Bauch zum Halten der Farbe und eine Spitze, mit der sich Details malen lassen. Sie eignen sich hervorragend für Minaturen aber auch feine Details auf größeren Skulpturen.

Rundpinsel ohne Spitze sind großartige Pinsel für Grundierungen, Schichten und größere Detailarbeiten. Sie ähneln dem Rundpinsel mit Spitze, haben aber eine weniger dünne/lange Spitze. Sie halten zwar viel Farbe, geben aber genügend Kontrolle, um die Farbe dort aufzutragen, wo sie hin soll. Kleinere Detailarbeiten sollte man hiermit allerdings nicht machen, da die Gefahr besteht, dass der Pinsel zuviel Farbe abgibt und man dadurch die feinen Details “wegschwämmt”.

Die letzte Art von Pinsel, welche sehr häufig benutzt wird, ist der Flachpinsel. Diese Art von Pinsel eignet sich ebenfalls für größere Arbeiten wie z.B. die Grundierung oder das bemalen von größeren Flächen, ist aber auch die beste Wahl wenn es um das Trockenbürsten (Dry Brush) geht. Details sollte man mit diesem Pinsel nicht malen, da der Pinsel eine große Oberfläche hat und sehr viel Farbe aufnimmt.

Arten von Borsten

Der Besatz bei Pinseln besteht entweder aus Natur- bzw. Echthaar oder aus Kunst- bzw. Synthetikhaar. Es gibt auch Pinsel, die eine Mischung aus beiden Sorten vereinen.

Bei billigeren Bürsten werden oftmals synthetische Borsten benutzt. Sie sollen das Gefühl natürlicher Borsten simulieren und gleichzeitig einfacher zu pflegen sein. Im direkt Vergleich zu Naturborsten sind die Kunstoffborsten jedoch oftmals zu steif und verhalten sich auch anders beim Bemalen. Unserer Erfahrung nach ist die Reinigung auch nicht wirklich leichter. Aus diesem Grund empfehlen wir auch Anfängern keine Kunststoffbürsten.

Naturborsten sind sehr weich und flexibel, ideal zum Malen von Skulpturen und Miniaturen. Mit Naturborsten ist es einfacher, den Pinsel zu führen und feine Details zu malen, da die Borsten weicher sind als bei den synthetischen Pinseln. Die Wasser- und Farbaufnahmefähigkeit von Echthaarpinseln ist etwas besser, als die Pinsel mit Kunsthaar. Die Pinsel lassen sich zudem im Anschluss relativ einfach reinigen. Pinsel mit Naturborsten sind teurer als synthetische, aber auf lange Sicht lohnt es sich. Lieber einen guten Pinsel, der lange hält und gute Arbeit verrichtet, als zig Pinsel die ständig neu gekauft werden müssen und mit denen man nicht ordentlich malen kann.

Pinselgrößen

Pinsel sind normalerweise in numerischen Größen erhältlich. Je höher die Zahl, desto breiter (und meist länger) ist der Besatz. Einige Unternehmen wie Citadel (Games Workshop), welche sich auf die Miniaturmalerei spezialisiert haben, listen ihre Pinsel nicht nach herkömmlichen Größen auf, sondern nach einem eigenen System wie z.B. allgemeiner Größe und der Art des Pinsels (z.B. Medium Layer Pinsel). Der Citadel-Stil zum Beschriften von Miniaturpinseln ist zwar praktisch, wenn man sich in dem GW-Universum bewegt, aber untypisch wenn man außerhalb einen geeigneten Pinsel sucht um Skulturen oder größere Figuren zu bemalen. Generell gilt: die Größen sind nur innerhalb einer Serie eines Herstellers vergleichbar. Sobald man die Serie und/oder den Hersteller wechselt, muss man sich erneut herantasten und ausprobieren.

Ein guter Allrounder für Miniaturen ist z.B. die Pinselgröße 2 mit Spitze. Dieser eignet sich sowohl für Flächen und Ebenen, wie auch für einige Detailarbeiten. Wir würden nichts Größeres als Größe 2 für Miniaturen empfehlen, es sei denn, es müssen Fahrzeuge, Landschaften oder ähnliches bemalt werden. Größe 1 ist ein guter Miniatur-Pinsel, welcher sich ideal für feine Hervorhebungen, Kantenhervorhebungen und Detailarbeiten eignet. Bei den Größen ab bzw. unter 0 handelt es sich um die kleinsten Bürsten, welche am Markt erhältlich sind. Hiermit lassen sich detaillierte Dinge wie Augen, Pupillen, Zähne und andere sehr feine Detailarbeiten malen. Es ist zwar nie verkehrt, einen Pinsel in dieser Größe zu haben, aber oftmals reicht es, sich einen Pinsel in der Größe 0 zu besorgen.

Wir empfehlen jedem, sich ein Set aus verschiedenen Größen zuzulegen. Idealerweise in mehreren Größen und den gängigen Arten (Spitz, Rund, Flach). Für die typische Miniaturmalerei reicht es anfangs, sich die Größen 0, 1, 2, 3 und 4 anzuschaffen. Bemalt man eher größere Skulpturen und bewegt sich im Größenbereich von 1:4, 1:6 oder 1:8 sollten die Pinsel auch entsprechend größer ausfallen.

Der richtige Pinsel für den richtigen Job

Stell sicher, dass Du für die jeweilige Arbeit den geeigneten Pinsel verwendest. Wir möchten Dich lediglich davor bewahren, eine größere Figur mit einem Pinsel der Größe 0 zu grundieren. Jeder Anfänger, der diesen Fehler bereits begangen hat weiß, wovon wir sprechen. Es dauert nicht nur sehr lange, es macht auch absolut keinen Spaß. Im Umkehrschluss solltest du natürlich auch keinen keinen Pinsel der Größe 4 zum Malen von Details wie z.B. den Augen verwenden. Lege Dir vor dem bemalen am besten ein geeignetes Pinsel-Set an Deinen Arbeitsplatz, um schnell zwischen den benötigten Pinseln wechseln zu können.

Malen ist eine Art von Training und setzt eine gewisse Erfahrung voraus. Hat man sich erstmal an eine Pinselgröße gewöhnt und arbeitet schon länger damit, lassen sich im Laufe der Zeit oftmals ganz andere Details und Maltechniken verwirklichen, als noch zu Anfang. Muss man als Anfänger auf kleine Pinsel für Details zurückgreifen, reichen später auch herrkömmliche Größen. Das hat auch den Vorteil, dass man nicht ständig die Pinsel wechseln und diese im Anschluss reinigen muss.

Tipp: Verwende für Deine Arbeiten die Pinsel, die Du brauchst, anstatt zu versuchen, einen Pinsel etwas tun zu lassen, für das er nicht geeignet ist.

Die richtige Handhabung & Pflege Deiner Pinsel

Die Pflege Deiner Pinsel ist von entscheidender Bedeutung. Niemand möchte Geld für etwas ausgeben, was nach wenigen Anwendungen kaputt geht oder unbrauchbar wird.

Hier ein paar Tipps, wie Du die Lebzeiten Deiner Pinsel um ein vielfaches verlängern kannst.

1. Keine Farbe in die Zwinge bekommen
Der Metallbereich, in den die Borsten eindringen, wird als Zwinge bezeichnet und hält alle Borsten zusammen. Wenn Farbe in diesen Bereich gelangt, wird diese Farbe sehr schnell trocknen und dazu führen, dass einzelne Pinselhaare verkleben und sich der Besatz spaltet bzw. der Pinsel keine ordentliche Spitze mehr bildet.  Mit solch einem Pinsel lässt sich nicht gut arbeiten.

Tipp: Versuche, nur das erste 3/4 des Besatzes mit Farbe zu füllen (bei Washes und Inks noch weniger) und damit zu malen. Wenn der Besatz mehr Farbe aufnimmt, besteht die Gefahr, dass diese bish nach oben in die Zwinge gelangt und der Pinsel auf kurz oder lang unbrauchbar wird.

2. Reinige/Wasche die Bürsten regelmäßig
Wie bei allem, was häufig verwendet wird, sollten Pinsel regelmäßig gereinigt werden. Während des Malens sollte man seinen Bemalpinsel immer wieder kurz auswaschen, bevor man etwas Farbe aufnimmt und weiter malt. Auf diese Weise gibt man der Farbe keine Gelegenheit in den Haaren/ Borsten zu trocknen, was die abschließende Reinigung des Pinsels erleichtert, die Lebensdauert erhöht und das eigentliche malen erleichtert. Am besten stellst Du Dir ein kleines Gefäß mit Wasser an den Tisch, in das Du den Pinsel regelmäßig eintauchen kannst.

Wichtig: tauche niemals einen trockenen Pinsel direkt in die Farbe, bevor Du ihn nicht im Wasserbecher angefeuchtet hat. Acrylfarbe ist dicker als Wasser und der trockene Besatz wird die Farbe nicht gut aufnehmen und abgeben.

3. Benutze “Schrottbürsten”
Es gibt einige Aufgaben, für die Du Deine guten Pinsel evtl. nicht verwenden möchtest. Das wäre z.B. wenn Du Farbe aus einem Topf holst oder Farbe mischen möchtest. Hierbei besteht die Gefahr, versehentlich Farbe in die Ferrule des Pinsels zu bekommen, und wie oben erwähnt – den Pinsel so zu runinieren.

Dies gilt auch für das Mischen von Farben, unabhängig davon, ob Du zwei Farben mischst oder eine Glasur erstellst. Auf diese Weise kann versehentlich Farbe in die Ferrule kommen und Deinen Pinsel zerstören.

Stelle also sicher, dass einige alte “Schrottpinsel” herumliegen, um solche Aufgaben auszuführen.

4. Bewahre Pinsel sicher auf
Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, um Pinsel sicher aufzubewahren. Viele von uns haben einen Behälter, in den wir unsere Pinsel stecken. Hierzu eignen sich Gefäße, Becher oder Tassen. Wichtig: Den Kopf mit den Borsten selbstverständlich immer nach oben 😉 Lasse Deine Pinsel niemals nach der Arbeit im Farb- oder Wassertopf stecken. Dadurch trocknen diese aus, die Borsten gehen kaputt und sie werden unbrauchbar.

Ich denke, dass es wohl aus offensichtlichen Gründen jedem klar sein sollte, dass man Pinsel nicht mit der Spitze nach unten lagert. Zumindest dann nicht, wenn sie dann auf den Haaren/ Borsten stehen würden. Es gibt allerdings auch Pinselhalterungen, in die man die Pinsel mit dem Kopf nach unten einstecken kann, ohne das die Spitze den Boden berührt. Solch eine Lagerung hat sogar einen Vorteil, denn:

Nach der Reinigung des Pinsels sollte man ihn möglichst nicht mit dem Kopf nach oben trocknen lassen. Tut man dies doch, läuft das Wasser aus dem Haarkörper in die Zwinge des Pinsels und kann dort unter Umständen die Verklebung der Haare/ Borsten aufweichen und letztendlich bei unserem guten Freund zu Haarausfall führen. Ich selbst trockne meine Pinsel einfach liegend neben dem Waschbecken. Eine Trocknung auf der Heizung ist im Übrigen auch nicht zu empfehlen, da die Pinselhaare dann spröde werden können.

5. Wechsle regelmäßig das Farbwasser
Wie Du mit Sicherheit schon bemerkt hast, wird das Farbwasser schnell trüb. Das Wasser, in dem Du Deine Pinsel reinigst, sollte immer möglichst sauber und frisch sein. Andernfalls führt das schmutzige Wasser dazu, dass die Farbrückstände auf dem Pinsel trocknen, was ihn mit der Zeit ruiniert. Manchmal lohnt es sich auch, mehrere Wassertöpfe zu benutzen. Einen für Farben, einen weiteren für Metall-Farben etc.

6. Lass niemals Farbe auf dem Pinsel trocknen

Dieser Tipp ist vor allem bei Acrylfarben sehr wichtig, da diese sehr schnell trocknen. Achte immer darauf, dass der Pinsel ausreichend feucht ist und lasse diesen lieber im Wassertopf liegen, als auf dem Tisch oder einem Tuch. Sollte die Farbe dennoch einmal auf dem Pinsel austrocknen, reinige ihn umgehend mit einer Pinselseife.

In dem folgenden Video von DICED sehr ihr, wie Ihr Eure Pinsel schön lange am Leben halten könnt. Lasst euch nicht von dem Begriff “Tabletop” verunsicher: Pinsel, egal welcher Hersteller, Größe oder Art, müssen alle auf ein und dieselbe gepflegt und behandelt werden.