Jeder Neuling kennt das: Man hat seine erste Figur grundiert und beginnt nun mit der Bemalung. Die Farben hat man sich wahrscheinlich bereits im Vorfeld überlegt und trägt diese nun auf die jeweiligen Bereiche und Partien auf. Hier und da passiert ein Fehler, der sich jedoch schnell kaschieren und übermalen lässt. Ehe man sich versieht ist man fertig und stellst fest: Die Figur sieht blöd aus und hat nichts mehr mit dem Beispiel gemein, was auf der Verpackung oder im Internet zu sehen ist.

Doch warum ist das so? Der Grund ist die fehlende Plastizität der Figur. Es fehlt die farbliche Abwechslung und Tiefe. Wahrscheinlich wurde die Figur wie in einem Kindermalbuch angemalt. Wenn man jedoch nur einen einzige Farbton verwendet, sieht die gesamten Fläche gleich aus und wirkt unrealistisch.

Grundsätzlich ist es erstmal nicht verkehrt, der Figur oder bestimmten Arealen nach der Grundierung erstmal einen einfachen Farbton zu verpassen. Das Auftragen des Grundtons, auch “Blocken” genannt, ist jedoch nur der erste von vielen Schritten. Viel wichtiger ist es, im Anschluss Details und Highlights hervorzuheben, um der Figur Tiefe und Charakter zu verleihen. Dies wird erreicht, indem man tiefer liegenden Elementen eine Schattierung hinzufügt und diese dunkler aussehen lässt als die eigentliche Farbe. Du brauchst ein Beispiel? Kein Problem! Schau einmal an Dir herunter und schau Dir den Faltenwurf auf Deiner Hose oder Deinem Shirt an. Du wirst feststellen, dass die tiefen Falten etwas dunkler sind als der Grundton der Kleidung und die höheren Falten heller. Schon haben wir nicht mehr nur eine, sondern gleich 3 Farben. Prinzipiell gilt: je mehr Licht eine Stelle erreicht, desto heller wirkt diese Stelle.

Wie also sehen die 3 Schritte aus?

1.Schritt: Grundton wählen / Farbe blocken

Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass Du deine Figur bereits grundiert hast. Nachdem also grundiert wurde und die Farbe getrocknet ist, wählst Du die Grundfarbe(n) für deine Figur aus. Danach bemalst Du die Elemente in den entsprechenden Farben und lässt sie erneut trocknen.

2. Schritt: Washing

Der nächste Schritt ist ziemlich einfach, aber dafür sehr effektiv: das Auftragen des Washes. Beim Wash handelt es sich um eine sehr dünne Farbe mit hoher Fließfähigkeit, deren Farbton dunkler als der des Grundtons ist. Man kann den Wash gezielt auf Teile der Figur (Pin Washing) auftragen oder großflächig auf das gesamte Modell werden. Der Wash läuft auf Grund seiner hohen Fließfähigkeit wie von selbst in die Vertiefungen, wodurch beim Trocknen dann die entsprechenden Schatten und Details entstehen. Beim Wash kann man recht großzügig mit der Farbe umgehen. Wenn sich irgendwo Pfützen auf Grund von zu viel Wash ansammeln, können diese mit dem Pinsel abgetupft werden. Der Pinsel wird die überschüssige Farbe wieder aufnehmen. Das Washing ist eine sehr einfache und schnelle Methode, die Erscheinung der Figur deutlich zu verbessern und feine Vertiefungen hervorzuheben.

Nachdem Du den Wash aufgetragen hast solltest Du unbedingt warten, bis die Farbe komplett getrocknet ist. Der Wash benötigt etwas länger zum trocknen als z.B. Acrylfarben und wir empfehlen Dir nicht zu versuchen, diese Zeit mit Hilfsmitteln wie einem Fön oder durch Pusten zu verkürzen. Die starke Luft würde nur dazu führen, dass die Farbe verschoben wird und sich an Stellen sammelt, wo sie nicht hingehört. Von hässlichen Trocknungsspuren mal ganz abgesehen.

Nachdem der Wash getrocknet ist wirst du wahrscheinlich feststellen, dass das gesamte Modell farblich etwas dunkler geworden ist. Dies ist normal und nicht weiter schlimm, da der Wash ja auf der gesamten Figur aufgetragen wurde. Die meiste Farbe sollte sich jedoch in den Vertiefungen angesammelt haben. Je nachdem, welches Ziel du verfolgst, kannst Du nun mit Schritt 3 fortfahren oder Du nimmst dir die Zeit und malst noch einmal mit der jeweiligen Grundfarbe die höchsten Stellen nach. Solltest Du dich für den Zwischenschritt entscheiden empfehlen wir Dir, die Farbe ein klein wenig zu verdünnen und nicht zu intensiv aufzutragen. So behält die Figur einen nahezu fließenden Übergang der Farben.

Schritt 3: Highlights setzen

Im dritten und letzten Schritt erhöhen wir den Farbkontrast durch das setzen von Highlights. Highlights tragen dazu bei, die Figur noch etwas ausdifferenzierter und plastischer darzustellen. Hierzu wählt man einen feinen Pinsel und trägt entweder eine sehr helle Variante der Grundfarbe (man kann ggf. die Farbe durch das zugeben von weiß aufhellen) auf oder arbeitet teilweise sogar mit gänzlich anderen Farben. Eine silberne Rüstung könnte so z.B. durch die Sonneneinstrahlung einen leichten Gelbschimmer an den Kanten besitzen.

Eine weitere Methode um Highlights zu setzen ist das sogenannte Trockenbürsten (Dry Brush). Dry Brush ist, ähnlich dem Wash, eine sehr einfache und schnelle Möglichkeit, der Figur mehr Leben einzuhauchen. Wer diese beiden Maltechniken beherrscht, kann bereits gute Ergebnisse erzielen.