Modelliermassen im Überblick

Welches Clay ist das Beste und worin unterscheiden sich ofenhärtende, lufttrocknende und ölbasierende Modelliermassen?

Derzeit gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Modelliermassen am Markt, sodass man gerade als Anfänger schnell den Überblick verliert. Ich habe die bekanntesten einmal näher untersucht und möchte euch hier eine kleine Übersicht über Sculpey, Monster Clay, Fimo, Apoxie und Co. geben.

Ofenhärtend vs. lufttrocknend vs. ölbasierend

Für welche Art von Modelliermasse man sich bei seiner Arbeit entscheidet hängt von vielen Faktoren ab, z.B. wie man die fertige Skulptur oder Figur weiterverwenden möchte. Da einige Modelliermassen nach der Verarbeitung entweder gebacken werden oder an der Luft aushärten, werden diese also nicht wiederverwendbar und unbrauchbar. Ölbasiernde Modelliermassen wiederum härten niemals vollständig aus, sodass sie für die langzeit Lagerung (gerade in wärmerer Umgebung) und zur anschließenden Bemalung eher ungeeignet sind, sich jedoch immer wieder einschmelzen und verarbeiten lassen. Daher sind ölbasierende Modelliermassen wie Monster Clay, Chavant NSP und Co. zum Üben, oder um eine Abdruckform aus Silikon zu machen, ideal.

Ölbasierende Modelliermassen und im Ofen aushärtende Materialien haben den Vorteil, dass die Bearbeitung zeitlich unbegrenzt stattfinden kann und man sich deshalb Zeit nehmen kann. Auch nach Tagen, Wochen und sogar Monaten kann eine angefangene Figur noch weiter bearbeitet werden. So lassen sich vor allem besonders zeitintensive und aufwändige Arbeiten ohne Probleme auf längere Zeit verteilen, ohne dass die verarbeitete Modelliermasse bereits hart geworden ist und man kann zwischenzeitlich auch an anderen Projekten oder Teilen der Figur weiterarbeiten. Selbstverständlich kann man auch Arbeiten an lufthärtender Masse zu einem späteren Zeitpunkt weiterführen, allerdings lassen sich die bereits getrockneten Teile nicht mehr bearbeiten. Mit bestimmten Techniken kann man lufthärtende Modelliermasse feucht halten und so eine zeitliche Verzögerung vor dem Austrocknen bzw. Aushärten bewerkstelligen.

Das erforderliche Backen nach dem Modellieren von Polymer Clay birgt das Risiko von eventuell auftretende Rissen beim Aushärten. Derartige Beschädigungen lassen sich zwar gut minimieren, indem man beim Backen Temperaturschwankungen minimiert und die Skulptur im geschlossenen und warmen Ofen langsam aushärten lässt, dennoch können evtl. Risse im Nachhinein ärgerlich sein und müssen mühselig “geflickt” werden. Bei lufthärtenden Modelliermassen können ebenfalls Risse entstehen, diese können aber im Nachhinein einfach mit neuer Masse aufgefüllt und dann erneut getrocknet werden. Bei Polymer Clay wie z.B. Sculpey bedeutet ein Riss oftmals, dass man die Risse ausbessert und die Figur dann erneut backen muss. Das wiederum birgt das erneute Risiko vor neuen Rissen. Ich persönlich nutze deshalb gerne Epoxidharze wie Aves Apoxie Sculpt, um Risse auszubessern.

Ein großer Nachteil bei lufttrocknender Modelliermasse ist der Faktor Zeit. Je nach Material und größe der Figur, dauert es bis zu mehreren Tagen, bis diese komplett ausgehärtet ist. In diesem Zeitraum sollte man mit dem Bemalen warten. Zum einen wird die Farbe nicht korrekt angenommen oder verläuft sich, wenn die Oberfläche noch nicht ausgehärtet ist und eine Restfeuchte besitzt, zum anderen kann die Feuchtigkeit der Farbe evtl. sogar für Schäden an der Oberfläche sorgen. Anders verhält es sich hier bei Epoxidharzen wie Aves Apoxie Sculpt. Sind die beiden Komponenten einmal angemischt, hat man ca. 3 Stunden Zeit zur Verarbeitung, bevor es komplett aushärtet. Die Backzeit und das anschließende abkühlen von Polymer Clay ist im direkten Vergleich mit lufttrocknenden Ton vergleichsweise kurz.

Noch relevanter dürfte die Frage sein, wie viele Details die Modelliermasse halten muss. Ofenhärtende Materialien besitzen i.d.R. die besten Eigenschaften und lassen sich am detailreichsten bearbeiten. Das liegt größtenteils an der Konsistenz von ofenhärtenden Modelliermassen, welche es bei den meisten Herstellern in verschiedenen Härtegraden gibt.

Cosclay – Neu, innovativ und einzigartig

Auf dieses Poylmer Clay möchte ich nochmal ganz besonders eingehen, weil es vollkommen neu auf dem Markt ist und im Bereich der Modelliermasse neue Maßstäbe setzt.

Bei Cosclay handelt es sich um ein Polymer Clay, welches selbst nach dem Backen noch flexibel und beweglich bleibt. Das heißt, dass Du keine Angst mehr haben musst, wenn deine Figur nach dem Abhärten mal auf den Boden fällt oder umkippt. Außerdem könntest du, wenn deine Figur eine Armatur aus Draht besitzt, auch nach dem Backen noch die Haltung und Position verändern. Das sieht nicht nur ziemlich cool aus, es war bis dato undenkbar und einfach nicht möglich. So ergeben sich völlig neue Möglichkeiten in der Darstellung.

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Lufttrocknende Modelliermasse

Zählt man Epoxidharz zu lufttrocknenden Modelliermassen hinzu, was ich persönlich tue, ist mein Favorit hier ganz klar Aves Apoxie Sculpt. Der relativ hohe Preis mag zwar im ersten Moment abschrecken, die hohe Qualität, die vielfältigen Einsatzbereiche und die hervorragenden Materialeigenschaften machen es aber zu einem äußerst tollen und, für mich, unerlässlichen Material im Bereich des Sculpting. Von der Konsistenz her ist es nach dem Anmischen etwas klebrig und lässt noch keine Details zu, aber wenn man dem Material etwas Zeit gibt und nach dem anmischen für 30 bis 60 Minuten liegen lässt, erhält es eine angenehme Konsistenz, die sich sehr gut verarbeiten lässt. Apoxie erreicht nach dem Aushärten eine derart harte Struktur, dass man die Figur sogar mit einer Säge, einem Dremel oder Schleifpapier bearbeiten kann.

An zweiter Stelle würde ich persönlich Fimo Air sehen. Mit seinem günstigen Preis von ca. 5€ pro kg kann man ohne schlechtes Gewissen damit herumexperimentieren. Zudem lässt es sich hervorragend verarbeiten und ist formfester als herkömmlicher Ton, sodass sich bereits eine ganze Menge mehr Details in ein Werk einbringen lassen. Mit ein wenig Übung kann auch Fimo Air zu einer wunderbar ebenen, glatten Fläche verarbeitet werden.

Alle Produkte haben gemein, dass sie den Arbeitsplatz ziemlich verschmutzen können. Man sollte also immer eine entsprechende Unterlage verwenden und das Material nicht direkt auf dem Arbeitstisch bearbeiten.

Ofenhärtende Modelliermasse

Bleiben wir direkt bei Fimo und beginnen mit FIMO soft. Am ehesten lässt sich dieses Produkt von seiner Beschaffenheit her mit Knete vergleichen. Am Anfang ist es sehr hart und wird erst weicher, wenn man die Masse ein wenig in den Händen hält und knetet. Hat man die Masse einmal weich, bleibt sie relativ lange in diesem Zustand. Das Problem ist, dass Fimo soft zwar in seiner Form relativ stabil bleibt, aber im Nachhinein nicht viele Details annimmt. Detaillierte Arbeiten werden damit also eher problematisch.

FIMO soft ist in den verschiedensten Farben erhältlich. Das hat Vor- wie Nachteile. So muss man zwar auf der einen Seite keine Farben, Pinsel oder sonstiges Equipment zum Bemalen und Färben seiner Figur benutzen, ist aber andererseits darauf angewiesen, die richtigen Farben vorrätig zu haben. Die unterschiedlichen Farben lassen sich zwar untereinander mischen, allerdings ist es mühselig und dauert einige Zeit, bis die Masse so gut bearbeitet und durchmischt ist, dass eine neue, gleichmäßige Farbe entsteht. Was hier manchmal helfen kann, ist die Verwendung einer Nudelmaschine, welche die beiden Modelliermassen miteinander vermengt. Die Farben von Fimo soft sind von Haus aus wunderbar kräftig und durch die vorherige Färbung auch sehr sauber voneinander getrennt. Der Nachteil hieraus ist, dass natürliche Farbverläufe kaum bis schwer umsetzbar sind.
Auf Grund seiner Eigenschaften ist Fimo soft nicht ganz so günstig wie andere Polymer Clay Sorten. Ein Set aus 24 Farben (~670 g) kostet derzeit knapp 26 Euro.

Als nächstes folgt mein persönlicher Favorit Super Sculpey. Es handelt sich um ein einfarbiges Polymer Clay, welches in verschiedenen Härtegraden angeboten wird und mit einer erstaunlichen Menge an Details versehen werden kann. Besonders die Härtegrade Medium und Firm eignen sich für sehr detailreiche Arbeiten. Firm ist die derzeit härteste Variante. Sie ist zwar schwerfälliger zu verarbeiten als die anderen Sorten, kann aber dafür Details am besten halten. Medium liegt, wie der Name schon sagt, eher dazwischen; weich genug für einfaches Bearbeiten, aber hart genug für besseren Detailreichtum als die Standardversion Super Sculpey Original. Als letztes wäre noch Sculpey Living Doll zu nennen, welches die weicheste Konsistenz aufweist. Die verschiedenen Sorten lassen sich gut miteinander kombinieren. So ist es z.B. möglich größere Teile wie den Torso mit Sculpey Original zu erstellen, für detailreichere und kleinteilige Regionen wie Hände und Kopf dann aber auf Medium oder Firm zu wechseln.

Als Einstieg in das Arbeiten mit ofenhärtender Modelliermasse würde ich jedem Anfänger erstmal zu Super Sculpey Original raten. Es ist in der Verarbeitung sehr einfach und man kann auch hier bereits sehr detailreich Arbeiten. Sculpey erhält man aktuell für rund 15 € das Pfund, sodass man für das Kilo knapp 30 € bezahlt. Ich persönlich benötige pro Figur rund 2-3 Paket Sculpey, sodass ich allein hier einen Materialwert von knapp 30 € bis 45 € habe.

Beim Arbeiten mit Sculpey ist es empfehlenswert, mit einer Armatur und Polstern bzw. Füllern aus Alufolie zu arbeiten, um eine gute Stabilität zu erreichen. Auf diese Weise ist es möglich, die benötigte Menge an Modelliermasse etwas zu reduzieren und das Gewicht der Figur stark zu reduzieren.

Ölbasierende Modelliermasse

Eine Besonderheit unter den verschiedenen Sorten an Clay stellen zweifelsfrei ölbasierende Modelliermassen dar. Anders als ofen- oder lufttrocknende Sorten, werden ölbasierende Modelliermassen nicht hart bzw. härten nicht vollständig aus. Es handelt sich dabei um eine wachartige Masse, welche bei Zimmertemperatur ihren härtesten Zustand einnimmt und dann relativ stabil bleibt. Möchte man die Masse bearbeiten, wird sie einfach bei ca. 58°C  erhitzt und daraufhin weich bis flüssig…fast wie Schokolade. Danach hat man eine gute Stunde Zeit, mit der Masse zu arbeiten, bis sie wieder ihren festen Zustand einnimmt. Ölbasierende Modelliermasse eignet sich daher sehr gut zum üben, oder um Abdruckformen aus Silikon zu erstellen. Der große Vorteil ist, dass diese Art von Clay wiederverwendbar ist.

Monster Clay und Chavant NSP sind wohl die bekanntesten Produkte aus der Reihe ölbasierender Modelliermassen und werden von großen Künstlern aus dem Bereich Sculpting verwendet wie z.B. Simon Lee und Dr.Garuda. Obwohl sie sich eigentlich nicht zum bemalen und langfristigen Ausstellen eignen, ist es mit entsprechender Vor- und Nachbehandlung eingeschränkt möglich.

Der größte Unterschied liegt meines Erachtens in der Art und Weise, wie man mit der Masse umgeht und wie man diese bearbeitet. In den ersten Minuten ist sie relativ flüssig bzw. cremig. Dadurch lässt sich die Masse nur grob formen. Sobald die sich Masse bei Raumtemperatur jedoch allmählich wieder festigt, ist es nach und nach möglich, genauer zu arbeiten. In diesem Zustand ist sie knetartig, fast wie mit Polymer Clay. Wenn die Masse nach weiteren 30 bis 60 Minuten anfängt,  komplett “auszuhärten” lässt sie sich nicht mehr so einfach verformen. Hier muss man dann entweder erneut für entsprechende Wärme sorgen oder aber man geht von der additiven in die sutraktive Form des Sculptings über (mehr zum Thema Modelliermasse). Das bedeutet, dass man, statt neues Clay auf die Figur aufzutragen, damit beginnt, mit Hilfe von Carving Tools die Figur zu bearbeiten und nach und nach Modelliermasse abträgt. Diese Art von Sculpting kommt der Bildhauerei sehr nahe. Ist die Masse einmal hart geworden, lassen sich selbst feinste Details realisieren. Mit Hilfe von Alkohol oder Hitze kann die Oberfläche zudem geglättet werden und sämtliche Unreinheiten und Unebenheiten entfernt werden.

Chavant NSP soft

Chavant NSP medium

Chavant NSP hard

Monster Clay soft

Monster Clay medium

Mein Fazit

Die Wahl der richtigen Modelliermasse ist nicht immer einfach und bei meinen Projekten letztlich davon abhängig, wie groß und detailreich es am Ende werden soll. Außerdem ist es auch eine Budgetfrage, da sich die einzelnen Modelliermassen preislich doch schon ganz schön unterscheiden können. Ich persönlich arbeite selten nur mit einem Material, sodass ich i.d.R. von allem etwas zu Hause habe.

Super Sculpey eignet sich sowohl für Anfänger wie auch Fortgeschrittene. Es ist einfach zu bearbeiten, trägt eine Menge Details und die verschiedenen Härtegrade unterscheiden sich preislich nicht voneinander. Den Großteil meiner Arbeiten erstelle ich aus dieser Modelliermasse.

Für Arbeiten und Projekte, welche keine so immense Menge an Details benötigen und/oder den Geldbeutel schonen sollen, empfehle ich FIMO Air. Es ist einfach in der Verarbeitung, muss anschließend nicht gebacken werden und es lassen sich damit sowohl große Flächen als auch kleine, etwas aufwändigere Detailarbeiten ermöglichen.

Für Profis, bei denen jeder Handgriff sitzt, ist Aves Apoxie Sculpt empfehlenswert. Es härtet komplett an der Luft aus und ist nochmals härter und stärker als Polymer Clay. Da man jedoch nur ca. 2-4 Stunden Zeit hat, mit dem Material zu arbeiten, bis es anschließend anfängt auszuhärten, ist es im Umgang nicht besonders einfach für Anfänger. Einmal ausgehärtet lassen sich keine Änderungen mehr vornehmen, außer man benutzt einen Dremel und fräst oder schleift entsprechend. Ich benutze Apoxie gerne, um entstandene Risse beim Backen zu schließen, kleinere Mängel auszubessern oder um die Armatur zu verstärken. Eine kleine Menge hiervon sollte man immer im Haus haben.

Die ölbasierenden Modelliermassen sind eine Sache für sich. Da ich meine Skulpturen im Anschluss gerne bemale und etwas beständiges erschaffen möchte, nutze ich Monster Clay so gut wie gar nicht. Dennoch solltes es nicht unerwähnt bleiben, da es vom Preis/Leistungsverhältnis ziemlich gut ist und man es vom Prinzip her unendlich oft wiederverwenden kann. Zum herumexperimentieren, üben und ausprobieren absolut empfehlenswert. 

Das hier ist natürlich nur alles (m)eine subjektive Wahrnehmung. Letztlich kommt ihr nicht drumherum, die verschiedenen Materialien selbst einmal auszuprobieren und einen Eindruck davon zu erhalten. Ich bin mir sicher, dass ihr auch zu dem Entschluss kommen werdet, dass es nicht das beste Produkt gibt, sondern jedes einzelne davon seine Daseinsberechtigung hat.

Viel Spaß beim ausprobieren!