Gesichter & Köpfe

Ein Gesicht zu formen und zu sculpten kann sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene eine echte Herausforderung sein. Kaum etwas ist so komplex, wie die menschliche Mimik und das Zusammenspiel zwischen Kopfform, Stirn, Augen, Nase, Ohren, Mund und Hals. Oftmals muss nur eine einzige Proportion unpassend sein, damit das ganze Gesicht unstimmig wirkt. Es gibt aber ein paar einfache Tricks, die Dir die Arbeiten gerade am Anfang enorm vereinfachen können.

1. Beginne mit einer einfachen Kugel

Der erste Schritt besteht darin, die grobe Kopfform nachzubilden. Hieru nehmen wir unsere Modelliermasse und formen daraus einen Ball. Je größer die Figur werden soll, desto größer wird natürlich auch der Kopf. Zum Üben ist in etwas die größe eine Tennisballs optimal. Falls notwendig kann man natürlich jederzeit Modelliermasse hinzufügen oder wegnehmen.

2. Bilde die Kopfform nach

Nachdem Du eine Kugel in der richtigen Größe erstellt hast, besteht der nächste Schritt darin, die grobe Form des Kopfes nachzubilden. Der Kopf hat z.B. eine ovale Form und ist nicht komplett rund. Zum Kinn hin wird die Kopfform meist schmaler und markanter. Ebenso solltest Du hier schon versuchen, den Kiefer und die Augenpartie anzudeuten. Am einfachsten ist es, sich Bilder eine Kopfes/Gesichtes im Internet anzusehen und die Form grob nachzubauen.

3. Nutze Hilfslinien zur Anordnung von Augen, Nase und Mund

Beim formen eines Kopes sind Hilslinien eine großartige Möglichkeit, sich seine Arbeiten zu vereinfachen. Hierzu werden horizontale und vertikale Linien auf dem Kopf eingezeichnet/eingertizt, wo später einmal Augen, Nase und Mund hinkommen. So behält man jederzeit den Überblick über die Proportionen und Symetrie.

Markiere hierzu mit einem Lineal oder einem anderen langen Werkzeug den horizontalen und vertikalen Mittelpunkt auf dem Kopf. Hast Du genau den Mittelpunkt gefunden, mache eine vertikale und horizontale Markierung auf halber Länge und Breite des Gesichts, sodass es am Ende ein Kreuz ergibt. Auf der horizontalen Linie werden sich später die Augen befinden, auf der vertikalen die Nase.

Mache nun auf halber Strecke zwischen der Augenlinie und dem unteren Teil des Gesichts eine zweite horizontale Linie. Dies ist die ungefähre Länge der NaseDie letzte Linie kommt in die Mitte zwischen der Nasenlinie und der Unterseite des Gesichts. Hier kommt später der Mund hin.

4. Die Augen

Nutze ein abgerundetes Werkzeug, um die Augenhöhlen direkt unter der Augenlinie zu erstellen. Drücke das Werkzeug hierzu vorsichtig in den Kopf hinein, wo später einmal die Augen sitzen sollen. Hierfür eignen sich Steel-Ball-Pens sehr gut. Die Kugeln sollten in dem Fall tief genug reingedrückt werden, damit die Augen später nicht aus der Skulptur herausragen.  Für kleinere Skulpturen kannst Du auch die gebogene Seite des Schabers nehmen.

Das Auge lässt sich ganz einfach erstellen, indem Du ein Stück Clay zu einer kleinen Kugel rollst und diese anschließen in die soeben erstellte Mulde vorsichtig reindrückst. Achte hierbei darauf, die Runde Form des Auges nicht verformen. Solltest Du Polymer Clay verwenden, kannst Du die Augen auch vorher schon einmal per Heißluftpistole backen. Dann verformen die Augen nicht, wenn Du sie in die Augenhölen drückst.

Füge im Anschluss den Stirnknochen hinzu, indem Du zwei kleine (ein großes geht auch) Stücke Clay rollst und sie direkt über den Augenhöhlen befestigst. Mit einem kleinen Spatel aus Holz oder Metall wird nun langsam der Stirnknochen in die Stirn eingearbeitet. Achte hierbei besonders auf die kleine Mulde, die sich zwischen der linken und rechten Augenbraue, sowie dem Nasenflügelansatz befindet.

Für die Augenlider kannst Du vier kleine Stücke Clay verwenden. Forme hieraus kleine Röllchen, die Du im Anschluss an die Stelle setzt, wo die Augenlieder liegen sollen. Glätte nun alle Konturen, um die Augenlider mit dem Rest des Gesichts zu verschmelzen. Wiederhole den Vorgang, bis Du alle vier Lider erstellst hast.

Die Größe und Form der Lieder hat wesentlich Einfluss auf die Mimik Deiner späteren Figur. Sind die Lieder sehr groß und nah beieinander, wird deine Figur evtl. müde aussehen. Sind die Lieder klein und weit auseinander, wird die Figur wie aus einem Manga aussehen und riesige Augen haben. Probiere dich am besten einfach aus und greife auf Bilder und Vorlagen aus dem Internet zu, um ein Gespür für die Augen zu bekommen.

5. Die Nase

Um die Nase zu formen bildest Du eine Pyramide aus einem separaten Stück Clay und befestigst sie zwischen den Augen. Nutze hierzu die Hilfslinie, welche Du bei der Erstellung des Kopfes eingezeichnet hast. Arbeite das Clay nun in das Gesicht ein und achte dabei besonders auf den Nasenrücken. Die Nasenbrücke sollte gleichmäßig mit den Stirnknochen verschmelzen.

Einige Nasen ragen weiter heraus als andere, andere drehen sich leicht nach oben. Hier kannst Du deiner Fantasie freien Lauf lassen bzw. Dich anhand deiner Zeichnung oder eines Fotos leiten lassen. Die Form einer Nase verleiht einem Gesicht Charakter. Spiele mit verschiedenen Formen, um zu sehen, welchen Effekt es auf das Gesamtbild des Kopfes macht.

6. Der Mund

Das Formen eines Mundes erfordert viel Übung. Nutze immer wieder einen kurzen Blick auf deine Skizzen und Bilder, um Dir die Form einzuprägen. Hab keine Angst, Fehler zu machen. Im schlimmsten Fall trägst Du die Modelliermasse punktuell wieder ab und beginnst halt von neuem.

Um einen Mund zu formen, schöpfe ein wenig Clay unter der Nase weg. Nimm nur so viel Masse weg, dass sich eine kleine Mulde zwischen Nasespitze und Oberlippe bildet. Die Lippen werden jetzt mit separaten Stücken hinzugefügt.

Füge mit der gleichen Technik wie beim Bilden des Stirnknochens und der Nase etwas Modelliermasse hinzu, um die Lippen zu formen. Rolle hierzu einen kleinen Zylinder aus und setz diesen an die Stelle, wo die Oberlippe später hinkommt. Um die Unterlippe zu formen, rolle einen weiteren Zylinder Clay und befestige ihn direkt unter der Oberlippe. Wenn Du willst, dass der Mund später leicht geöffnet ist, lass einen kleinen Abstand zwischen den beiden Lippen.

Jetzt beginnt der schwierigste Teile. Nimm ein Werkzeug deiner Wahl, um die Lippen zu formen und dem Mund Leben einzuhauchen. Gleichzeitig wirst Du die Ränder der Lippen in den Kopf einarbeiten, sodass ein sauberer Übergang entsteht.

Wie immer gilt auch hier: Übung macht den Meister.

In dem folgenden Video seht ihr die einzelen Schritte nochmal sehr gut ausgeführt. Das Video wurde von CLAYMAKER auf Youtube hochgeladen.